Die Kunst des Interviews
by Katharina Ortner (2002) Gisela-Gymnasium, München / Germany on 2018-12-17



Von links nach rechts: Katharina Ortner, Dr. Cornelia von Schelling, Dipl.-Psych. Gisela Framhein 


Wie führt man ein gutes Interview? Wie redet man mit traumatisierten Menschen über schwere Themen? Dr. Cornelia von Schelling und Angela Roethe, zwei Journalistinnen vom Verein “Eigenleben” https://eigenleben.jetzt, dem trait d`union der älteren Generation, haben uns genau das beigebracht. 

Im Rahmen unseres Workshops zum Thema „Flucht und Heimat”, der vom 22. bis 24.10.2018 am Gisela-Gymnasium stattfand, sollten wir, trait d‘union, und das Oberstufen-Ensemble des k25 Theaters, uns journalistisch mit dem Thema auseinandersetzen. Einer der Programmpunkte war, ein Interview mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen zu führen. Damit wir nicht komplett unvorbereitet waren, coachten uns zwei erfahrene Journalistinnen. 

Wie bei jedem Unterfangen, ist die Vorbereitung entscheidend: Wen interviewe ich? Um was wird es ungefähr gehen? Kann ich genug Fragen stellen? Kenne ich mich auf dem (Fach-)Gebiet aus? 

Kann man all diese Fragen mit „Ja” beantworten, geht man zu Phase 2 über: Wie fange ich das Interview an? Am besten fängt man mit etwas Neutralem an, einer Frage, die der Interviewpartner leicht und vor allem gerne beantworten kann.  Diese Art von Frage nennt man „offene“ Frage. Sie sind für Interviews meistens besser geeignet als die „geschlossenen“ Fragen, bei denen man meist nur mit einem schlichten „Ja” oder „Nein” rechnen kann. Das heißt nicht, dass man die geschlossenen Fragen ganz außen vorlassen soll, sie sind zum Beispiel gut, wenn man ein klares Statement haben möchte, treiben jedoch das Interview nicht voran und können den Redefluss ins Stocken bringen. 

Ein Fauxpas, der vielen Interviewneulingen des Öfteren passiert, sind die Suggestivfragen. Man würde meinen, dass man mit einem „Meinen Sie nicht auch, dass…” eine gute Antwort erzielen kann, da man die Person praktisch zu einer Aussage zwingt, doch genau das muss unbedingt vermieden werden, wenn man ein seriöses, neutrales Interview führen will, da man mit den Suggestivfragen den Interviewpartner beeinflusst. 

Ein Thema, in dem viele von uns ein Problem sahen, war der Inhalt der Fragen. Die zu Interviewenden haben viel durchgemacht. Einerseits wollten wir ihnen mit unüberlegten Fragen nicht zu nahetreten oder sie gar verletzen, andererseits brauchten wir genug Material, um unsere Reportagen zu drehen und unsere Texte zu schreiben. Frau von Schelling gab uns dazu die Leitworte „Benennen und Würdigen”, das kann zum Beispiel so aussehen: „Ich merke, Sie reden nicht gern darüber... sollen wir die Frage übergehen?” Oft hilft den Befragten diese kurze Pause, um sich zu sammeln und die Frage doch zu beantworten, und wenn sie es trotzdem nicht können, kann man so elegant eine unangenehme Situation für alle Beteiligten vermeiden. Was auch helfen kann, ist auch, positive Aspekte mit einzubringen, indem man die Person von einem schönen Erlebnis erzählen lässt. 

Mit Hilfe dieser Tipps der beiden Eigenleben-Journalistinnen, konnten wir alle erfolgreich Interviews führen und genug Material für unsere journalistischen Arbeiten sammeln.