„Der Junge mit dem Koffer“ an der Schauburg
by Vivian Lehner (2003) Gisela-Gymnasium, München / Germany on 2019-07-06



Rezension einer Inszenierung mit indischen und deutschen Akteuren

(An English version of this article will follow.)

Das Stück „Der Junge mit dem Koffer“, verfasst von dem britischen Autor Mike Kenny, ist eine Koproduktion zwischen der Schauburg, des Theaters für junges Publikum der Landeshauptstadt München, und dem indischen Ranga Shankara Theater aus Bangalore/Indien. Es wurde von der Schauspielerin Herta Conrad ins Deutsche übersetzt und hatte seine Premiere in der Schauburg am 25. Januar 2017. Zuvor wurde es bereits in anderen Theatern landesweit und auch international gespielt.

Das Theaterstück befasst sich ausführlich mit dem Thema Flucht und handelt von dem Jungen Naz, welcher seine geliebte Heimat verlassen muss, da der Krieg es nun erreicht. Er macht sich auf den Weg in eine für ihn vollkommen neue Welt und lässt all das, was ihm lieb ist, hinter sich. Selbst seine Eltern ließ er zurück, um gegen Bezahlung von einem fremden Mann, einem Schlepper, an einen besseren Ort gebracht zu werden. Auf seinem Weg lernt er ein Mädchen kennen, mit welchem er schnell eine etwas seltsame Freundschaft eingeht. Zusammen versuchen sie, sich auf dieser langen Reise bei Verstand zu halten und stehen einander bei. Trotz harter Arbeit unter miserablen Bedingungen, verlieren sie nie ihr eigentliches Endreiseziel, England, aus den Augen.

Das Stück ist mit viel Liebe gestaltet, was sich auch in der musikalischen Gestaltung widerspiegelt. Klarer Gesang und verschiedene Instrumente erfüllen den Saal und lösen in dem Zuschauer eine noch ausgeprägtere Gefühlslage aus. Trotz des sehr simpel gehaltenen Bühnenbildes wurden zahlreiche Welten gestaltet und somit jede Situation optimal erfasst.

Als Zuschauer ist man 1 Stunde und 15 Minuten lang ein Teil dieses sehr energiegeladenen und begeisternden Abenteuers und es ist, als würde man jede einzelne Emotion der Darsteller spüren. Die ein oder andere Träne ist geflossen und man wünscht sich, selbst im Stück zu sein, um Naz zu helfen. Durch den Erzähler, welcher den Naz aus der Zukunft darstellen soll, ist die Geschichte noch mitreißender. Hautnah ist man bei dieser bewegenden Reise dabei und erlebt die Enttäuschungen und Probleme der Personen explizit mit.

Es ist eine Geschichte, welche durchaus auch in der echten Welt vorkommt, sogar nicht gerade selten. Es ist wichtig, sich mit solch kontroversen Themen zu beschäftigen und vor allem, sie richtig aufzugreifen. Auch Momente, in denen man etwas schmunzeln musste, gab es selbstverständlich. Mit dieser ungezwungenen Art haben die Schauspieler es tatsächlich geschafft, ein so ernstes und auch unfassbar trauriges Thema nicht ohne Komik darzustellen, ohne seine Wichtigkeit runterzuspielen. Die Schauburg hat in Zusammenarbeit mit dem Ranga Shankara Theater eine packende Erzählung wiedergegeben, welche definitiv den Besuch wert war.