"Boy with a Suitcase" at the Schauburg (1)
by Vivian Lehner (2003) Gisela-Gymnasium, München / Germany on 2019-10-06



Review of a Production with Indian and German Actors 

 

(You find the German version of this article below.)

 

The play "Boy with a Suitcase", written by the British author Mike Kenny, is a coproduction between the Schauburg, the theater for young audience of the City of Munich, and the Indian Ranga Shankara Theater from Bangalore. It was translated into German by the actress Herta Conrad and had its premiere in the Schauburg on January 25, 2017. Previously, it was already played in other theaters nationwide and also internationally.

The play deals extensively with the theme of escape and is about the boy Naz, who has to leave his beloved homeland, when the war arrives in it. He makes his way to a completely new world for him and leaves behind all that he loves. He even leaves his parents behind in order to be taken to a better place by a stranger, a people smuggler. On his way he meets a girl, with whom he quickly enters into a somewhat strange friendship. Together, they try to keep their minds intact on this long journey and stand by each other. Despite hard work in miserable conditions, they never lose sight of their ultimate destination, England.

The piece is designed with love, which is also reflected in the musical design. Clear vocals and various instruments fill the hall and trigger an even more pronounced emotional state in the audience. In spite of the very simple stage design numerous worlds were designed and thus every situation optimally recorded.

As a spectator you are part of this very energetic and inspiring adventure for 1 hour and 15 minutes and it`s like feeling every single emotion of the actors. One or two tears flowed and one wishes to be in the play herself to help Naz. Through the narrator, who is to represent the Naz from the future, the story becomes even more thrilling. Close up, you are part of this moving journey and experience the disappointments and problems of the people explicitly.

It`s a story that happens in the real world not infrequently. It is important to deal with such controversial issues and, above all, in a serious manner. Of course, there were also moments when you had to smile a bit. With this casual style, the actors have actually managed to portray such a serious and incredibly sad topic not without comedy – but without downplaying its importance. The Schauburg, in cooperation with the Ranga Shankara Theater, has produced a gripping narrative that was definitely worth the visit. 

 

„Der Junge mit dem Koffer“ an der Schauburg

 

Rezension einer Inszenierung mit indischen und deutschen Akteuren

 

Das Stück „Der Junge mit dem Koffer“, verfasst von dem britischen Autor Mike Kenny, ist eine Koproduktion zwischen der Schauburg, des Theaters für junges Publikum der Landeshauptstadt München, und dem indischen Ranga Shankara Theater aus Bangalore. Es wurde von der Schauspielerin Herta Conrad ins Deutsche übersetzt und hatte seine Premiere in der Schauburg am 25. Januar 2017. Zuvor wurde es bereits in anderen Theatern landesweit und auch international gespielt.

Das Theaterstück befasst sich ausführlich mit dem Thema Flucht und handelt von dem Jungen Naz, welcher seine geliebte Heimat verlassen muss, da der Krieg es nun erreicht. Er macht sich auf den Weg in eine für ihn vollkommen neue Welt und lässt all das, was ihm lieb ist, hinter sich. Selbst seine Eltern ließ er zurück, um gegen Bezahlung von einem fremden Mann, einem Schlepper, an einen besseren Ort gebracht zu werden. Auf seinem Weg lernt er ein Mädchen kennen, mit welchem er schnell eine etwas seltsame Freundschaft eingeht. Zusammen versuchen sie, sich auf dieser langen Reise bei Verstand zu halten und stehen einander bei. Trotz harter Arbeit unter miserablen Bedingungen, verlieren sie nie ihr eigentliches Endreiseziel, England, aus den Augen.

Das Stück ist mit viel Liebe gestaltet, was sich auch in der musikalischen Gestaltung widerspiegelt. Klarer Gesang und verschiedene Instrumente erfüllen den Saal und lösen in dem Zuschauer eine noch ausgeprägtere Gefühlslage aus. Trotz des sehr simpel gehaltenen Bühnenbildes wurden zahlreiche Welten gestaltet und somit jede Situation optimal erfasst.

Als Zuschauer ist man 1 Stunde und 15 Minuten lang ein Teil dieses sehr energiegeladenen und begeisternden Abenteuers und es ist, als würde man jede einzelne Emotion der Darsteller spüren. Die ein oder andere Träne ist geflossen und man wünscht sich, selbst im Stück zu sein, um Naz zu helfen. Durch den Erzähler, welcher den Naz aus der Zukunft darstellen soll, ist die Geschichte noch mitreißender. Hautnah ist man bei dieser bewegenden Reise dabei und erlebt die Enttäuschungen und Probleme der Personen explizit mit.

Es ist eine Geschichte, welche durchaus auch in der echten Welt vorkommt, sogar nicht gerade selten. Es ist wichtig, sich mit solch kontroversen Themen zu beschäftigen und vor allem, sie richtig aufzugreifen. Auch Momente, in denen man etwas schmunzeln musste, gab es selbstverständlich. Mit dieser ungezwungenen Art haben die Schauspieler es tatsächlich geschafft, ein so ernstes und auch unfassbar trauriges Thema nicht ohne Komik darzustellen, ohne seine Wichtigkeit runterzuspielen. Die Schauburg hat in Zusammenarbeit mit dem Ranga Shankara Theater eine packende Erzählung wiedergegeben, welche definitiv den Besuch wert war.